Die Kieferorthopädie als effektives Instrument zur Prävention und Behandlung von Zahn- und Kieferfehlstellungen

Die Kieferorthopädie ist ein interdisziplinäres zahnmedizinisches Fachgebiet, das primär auf die Verhütung und Behandlung von Zahn- und Kieferfehstellungen fokussiert ist. Durch spezifische Behandlungsmaßnahmen werden zuverlässig Fehlstellungen ausgeglichen, die unbehandelt langfristig die Atem-, Kau- und Beißtätigkeit des Patienten negativ beeinflussen würden. Ein zahnmedizinisch falscher Biss stört die Funktionalität von Mund und Zähnen und kann die Entstehung unterschiedlicher Krankheitsbilder begünstigen. Als Instrumente zur Zahnregulierung dienen herausnehmbare und festsitzende kieferorthopädische Geräte. Innovative Technologien garantieren grundsätzlich ästhetische Behandlungsergebnisse.


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Kieferorthopädische Eingriffe werden sowohl im bleibenden Gebiss als auch im Wechsel- bzw. Milchgebiss durchgeführt. Anwendungen im Wechselgebiss werden als Frühbehandlungen klassifiziert. Kinder ab einem Alter von 4 Jahren erhalten Frühbehandlungen, sofern definierte Zahn- oder Kieferfehlstellungen diagnostiziert sind, die maßgeblich Wachstum oder Entwicklung von Zähnen, Zahnhalteapparat oder Kiefer beeinträchtigen. Neugeborene mit Lippen-Gaumen-Kieferspalte werden zeitnah einer fachübergreifenden kieferorthopädischen Behandlung unterzogen, um die Missbildung umgehend zu behandeln.

Seit Anfang der 1970er Jahre zählen kieferorthopädische Behandlungen zum Leistungskatalog der vertragszahnärztlichen Versorgung. Gesetzlich versicherte Krankenkassenmitglieder haben bei spezifischer Indikation prinzipiell ein Anrecht auf eine kieferorthopädische Therapie bzw. Versorgung zulasten der jeweiligen Krankenkasse. Seit dem Jahre 2003 erfolgt eine Einstufung des individuellen Krankheitsbildes anhand spezieller kieferorthopädischer Indikationsgruppen. Versicherte, die älter als 18 Jahre sind, besitzen keinen Anspruch auf eine derartige Kostenübernahme der kieferorthopädische Behandlung durch die GKV. Volljährige Patienten müssen die Kosten für ihre kieferorthopädische Versorgung eigenständig zahlen. Diesbezügliche Ausnahmen bilden Patienten, die schwere Kieferanomalien aufweisen, die zwingend den Bedarf nach einer kombinierten kieferchirurgischen und kieferorthopädischen Behandlung auslösen.

Zahnschienen für einwandfreie Funktionalität und Ästhetik

In der Kieferorthopädie finden unterschiedliche Typen von Zahnschienen Anwendung. So existieren Modelle zur Behandlung von CMD, Zähneknirschen und Bruxismus (Zähne knirschen und Zähne pressen). Im Idealfall erzielt die Therapie zudem eine Harmonisierung von Zähnen und Kiefergelenk. Die Kieferorthopäden fertigen sämtliche Zahnschienen auf Basis des jeweiligen individuellen Patientengebisses an. Eine umfassende Voruntersuchung des Mundraumes bildet die Grundvoraussetzung für eine optimal zugeschnittene Therapie mit einer Zahnschiene. Ergänzend wird auf dem Markt mit der nahezu unsichtbaren Methode „Aligner Invisalign®“ eine Zahnschiene angeboten, die schiefe Zähne sanft in eine harmonische Position rückt.

Zahnschienen kommen in der Kieferorthopädie in erster Line als Okklusionsschienen zum Einsatz. Die individuell angefertigten Apparaturen sollen den Kontakt zwischen den Zähnen des Ober- und Unterkiefers verhindern. Die Schienen sorgen dafür, dass die einzelnen Zähne wie Zahnräder ineinander greifen (Okklusion), anstatt sich gegenseitig zu behindern. Zähne des Unter- und Oberkiefers, die nicht zueinander passen, werden durch den funktionalen Aufbissbehelf passend. Ist die Okklusion gestört, entstehen Fehlbelastungen der Zähne, die mit fortschreitender Manifestation in ein Abschleifen der Zähne münden. Diese Entwicklung schädigt dauerhaft Zähne und Zahnhalteapparat. Zusätzlich verhindert die individuelle Schienentherapie Verspannungen der Kau- und Gesichtsmuskulatur, die die klinischen Merkmale einer „kraniomandibulären Dysfunktion“ (CMD) hervorrufen können. Eine erfolgreiche Schienentherapie heilt deshalb Sekundärbeschwerden einer CMD. Kiefergelenkbeschwerden, Migräne-Attacken, Tinnitus sowie Kopf- bzw. Gesichtsschmerzen klingen in der Folge bei den Patienten ab. Eine Okklusionsschiene muss zwingend einen passgenauen und spannungsfreien Sitz aufweisen.

Zur Behandlung von Zähneknirschen wird eine Tiefziehschiene eingesetzt. Derartige Zahnschienen haben kein therapeutisches Ziel, sondern fungieren ausschließlich als Schutz von Zähnen und Zahnfleisch.

Invisalign® ist eine Zahnschiene, die schonend Zahnfehlstellungen korrigiert. Bei ausgeprägten Fehlbissen und Kiefergelenksproblemen sind die Zahnschienen unwirksam. Wegen ihrer unauffälligen, transparenten Optik ist das Modell mit einem hohen Ästhetik-Faktor verknüpft. Da die Zahnschiene aus Kunststoff gefertigt ist, verursacht das Tragen keine Verletzungen im Mundraum und wirkt sich nicht negativ auf die Sprachfähigkeit aus. Ein hoher Tragekomfort zeichnet die Zahnschienen aus. Kieferorthopäden oder Zahnärzte, die die Modelle anbieten, erhalten von der Herstellerfirma eine spezielle Ausbildung. Dieses Vorgehen garantiert eine fachgerechte Behandlung und umfasst regelmäßige Kontrolltermine bei dem ausführenden Zahnmediziner.

Gewerbliche Anbieter werben mit gefährlichen Konzepten und deutsche Kieferorthopäden geraten unter Legitimationsdruck

Zahlreiche gewerbliche Anbieter kopieren das mittlerweile ausgelaufene Patent der ursprünglichen Herstellerfirma „Align Technology“ und bieten über Start-Ups kostengünstige Kunststoffzahnschienen ohne Arztbesuch an. Für die Herstellung der Zahnschiene sendet der Patient dem Unternehmen Fotos seiner Zähne, einen Fragebogen und einen Zahnabruck zu, den er eigenständig zu Hause anfertigt. Der 3D-Abdruck wird im Nachgang simuliert und der Verbraucher erhält nach der Produktion seine Zahnschiene. Termine bei kooperierenden Zahnmedizinern umfasst das Konzept nicht. Das in Berlin ansässige Unternehmen „SunshineSmile“ wirbt mit einem derartigen Geschäftsmodell. In Berlin unterhält das Start-Up eine Zahnarztpraxis, die Patienten zur Behandlung aufsuchen können. Für Kunden, die außerhalb von Berlin leben, existiert dieses Angebot nicht.

Zahnmediziner warnen eindringlich davor derartige Konzepte in Anspruch zu nehmen, da sie ein hohes Risiko für die individuelle Zahn- und Mundgesundheit darstellen. Laut Aussagen der Bundeszahnärztekammer birgt das Geschäftsmodell ein signifikantes Risiko für Behandlungsfehler, die zu schwerwiegenden Entzündungen des Zahnhalteapparates und zu Zahnverlust führen können.

Laut Experten gerät die deutsche Kieferorthopädie derzeit massiv unter Legitimationsdruck. Zahlreiche Forschungsergebnisse stellen die Präventionshypothesen der Kieferorthopädie in Frage. So belegen Untersuchungen nicht ausreichend die wissenschaftliche Evidenz der Theorien. Einzelne Behandlungsmethoden stehen im direkten Widerspruch zu internationalen Standards. Gleiches gilt für die verhältnismäßige lange Behandlungsdauer. Insider werfen Zahnmedizinern die überdurchschnittliche Durchführung wissenschaftlich umstrittener Frühbehandlungen vor. Zusätzlich bieten die Kieferorthopäden außervertragliche Zusatzleistungen an, die mit keinem zahnmedizinischen Nutzen verbunden sind. Profitgier treibe die Kieferorthopäden zu diesem Vorgehen, so Branchenkenner.

Kieferorthopädie in Berlin

Berlin besitzt mit aktuell 3500 praktizierenden Zahnmedizinern eine überdurchschnittlich dichte zahnärztliche Versorgung. Im Stadtgebiet existieren rund 26000 Zahnarztpraxen, die die gesetzlich Versicherten Berliner mitsamt ihren mitversicherten Familienmitgliedern betreuen und behandeln. Der zahnärztliche Bedarfsplan belegt eine einhundertprozentige Versorgung der Bevölkerung. Laut Statistiken entfallen auf einen Zahnarzt 1280 Einwohner. Der kieferorthopädische Bedarfsplan dokumentiert ebenfalls eine Vollversorgung der Berliner Einwohner. 240 Praxen mit Schwerpunkt der Kieferorthopädie sind in der Bundeshauptstadt registriert. Pro zugelassenen Kieferorthopäden gibt es im Stadtgebiet 4000 Einwohner. Im Schnitt bearbeiten die Berliner Zahnmediziner etwa 3,7 Millionen Behandlungsfälle pro Jahr.

Das kieferorthopädische Angebot in Berlin ist aufgrund dessen als hochkonzentriert einzustufen.