Vom Kind zum Narzisst

Narzissmus ist eine Charaktereigenschaft, die durch falsche Erziehung verstärkt oder gar ausgelöst werden kann. Problematisch hierbei ist, zu viel oder unangebrachtes Lob. Kinder können dann nicht mehr zwischen wirklich guter Arbeit und eher minderwertigen Ergebnissen unterscheiden. Wenn alles einfach immer „ganz toll“ und „super“ erledigt wurde, obwohl noch Luft nach oben ist, entwickelt das Kind eine falsche Selbstwahrnehmung.

Narzissmus ist im übertragenen Sinn ein falsches Selbstbild. Das kann erlernt und verstärkt werden, gerade wenn die Eltern involviert sind. Die Universität von Amsterdam führte zu diesem Zwecke eine Studie durch, bei der 565 Eltern und Kinder befragt wurden. Dabei sollten Eltern bestimmte Aussagen zu ihren Kindern treffen und diese Kinder dann über sich selbst Einschätzungen abgeben. Bei Eltern die ihre Kinder generell als „besser“ oder „besonders“ einstuften, konnten auch höhere Selbstwahrnehmungswerte der Kinder festgestellt werden. Dies zeigt, dass Kinder die Wahrnehmung, Aussagen und Einschätzungen über sich übernehmen und so ihre Selbstwahrnehmung geblendet wird. Dabei kann auch auf die Eltern selbst ein Rückschluss gezogen werden.

Kinder lernen Narzissmus von den Eltern. Denn Eltern die denken ihre Kinder seien besonders interessant, klug oder beliebt, haben diese Meinung auch oft von sich selbst. Irgendwo muss es das eigne Kind ja schließlich herhaben.

Es gibt zwei verschiedene Arten von Eltern

Dabei gibt es zwei Arten von Eltern, die ihre Kinder zu Narzissten erziehen. Die einen, wie bereits angedeutet, sind selbst Narzissten und übertragen ihre eigene Wahrnehmung direkt auf die des Kindes. Es ist ja „ihr Kind“, daher müsse es wohl die gleichen tollen Eigenschaften aufweisen, wie man selbst auch. Diese Eltern erziehen ihre Kinder tatsächlich mehr oder weniger zu Narzissten.

Die zweite Art von Eltern verwechselt Liebe mit Lob. Sie möchten ihren Kindern nur unter die Arme greifen, das Selbstwertgefühl aufpolieren oder unterstützend sein, dabei verwechseln sie häufig Liebe mit Lob. Wenn Ihr Kind etwas falsch macht, weisen Sie es lieber sachlich darauf hin, klären Sie es auf und sprechen Sie sachlich aber liebevoll. Einfach alles kommentarlos abzunicken, wird die geistige Entwicklung nicht fördern.

Narzissmus und die Jugend von heute

Keine Generation an Jugendlichen war so narzisstisch ausgeprägt wie die heutige. Leistungsdruck und soziale Medien verstärken diesen Trend noch weiter. Heute muss jeder individuell und einzigartig sein, sonst gehört man nur zur grauen Masse. Man sagt heute bereits, dass Menschen die viele Selfies posten und über ihren Alltag in sozialen Plattformen berichten, auch in die Gruppe der Narzissten gehören. Sie brauchen die Aufmerksamkeit und den Neid vieler fremder Menschen, um sich selbst besser zu fühlen. Die Anerkennung über Plattformen und Fremde ist heute so einfach wie nie, daher steige wohl auch die Zahl der Narzissten kontinuierlich weiter an.

Dabei könne man aber nicht fest bestimmen, ob mehr Frauen oder Männer in diese Gruppe gehören und welche Rolle kulturelle Unterschiede hier spielen. Interessanterweise sollen sozialer Rang und Status kein Indiz für Narzissmus sein.

Ein bisher gemessener Zusammenhang konnte allerdings in der Namensgebung festgestellt werden. Kinder mit außergewöhnlichen oder seltenen Namen weisen häufiger narzisstische Tendenzen auf, als jene mit durchschnittlichen Namen.