Wenn Schönheit zur Sucht wird

Einfach den Körper künstlich verändern, um perfekt zu sein. Das habe ich mir zumindest am Anfang gedacht. Etwas Bauchfett anheben und absaugen, die Brüste und das Gesicht straffen und dazu noch etwas Hyaluronsäure in die Wangen spritzen. Ich war 25 Jahre bei meiner ersten Operation. Ungefähr ein Drittel aller Eingriffe finden bei Menschen zwischen 17 und 30 Jahre statt. Zu Beginn meiner Reihe an Schönheitsoperationen, habe ich mich einfach nur in meinem Körper unwohl gefühlt. Ich habe mich als zu dick empfunden und habe mir etwas Fett absaugen lassen. Das Ganze war ein sehr invasiver Eingriff, weil mir unter Vollnarkose die Bauchdecke angehoben wurde. Nachdem die Schmerzen und Schwellungen vorbei waren, habe ich mich viel besser gefühlt. Ich habe mich gesünder ernährt, bin wieder regelmäßig zum Sport gegangen und habe auf natürlichem Wege noch eine Pfunde abgenommen.

Invasiver Eingriff, die Brust-OP

Schließlich hat sich mein Körper soweit verändert, dass meine Brüste nicht mehr so straff waren und sie kleiner geworden sind. Aber ich war nicht alleine, auch mein Freund wollte sich einer Brustoperation unterziehen, einer Gynäkomastie. Hier werden dem Mann Fett und Drüsengewebe entfernt. Im Monat machen das 20 -25 Männer, sagt unser behandelnder Arzt. Ich bin froh, dass wir die Brustoperationen gemeinsam durchgestanden haben. Durch die Fettabsaugung und die Brustoperation ist mir aufgefallen, dass ich nun an einem Punkt angekommen bin, an dem ich alles an mir verändern lassen möchte. So habe ich mir mit Hyaluronsäure die Wangen auffüllen lassen. Das ist ein kleiner, nicht invasiver Eingriff. Anders als bei der Bauch- oder Brustoperation.

Neugewonnenes Selbstwertgefühl

Die vielen künstlichen Eingriffe an meinen Körper haben mir ein besseres Selbstwertgefühl gegeben. Ich habe mich stark und erfolgreich gefühlt. Dazu habe ich noch eine tolle Ausstrahlung bekommen. Ich bekam immer wieder Komplimente von den Menschen aus meinem Umfeld. Ich habe mich durch die künstlichen Veränderungen besser gefühlt. Gleichzeitig war immer häufiger auf der Suche nach Anerkennung und Lob für mein Aussehen. Als mein Freund und mein Arzt von meiner geplanten Nasenoperation erfuhren, fragten sie mich, ob es mir wirklich gut geht.

HydraFacial, eine nicht invasive Gesichtsbehandlung

Und ob es nicht besser wäre, mal mit einen Psychotherapeuten zu sprechen. Mein Freund hatte schon gemerkt, dass ich immer narzisstischer und ichbezogener geworden bin. Beziehungsweise wenn Lob ausgeblieben ist, ist bei mir häufiger die Sicherung durchgebrannt und ich wurde sehr wütend. Das Ganze ist schon knapp 5 Jahre her. Und seitdem bin ich in Therapie. Ich lasse mir immer noch künstlich den Körper verändern. Zwar mache ich nur noch nicht invasive Eingriffe, wie HydraFacial. Das ist eine Gesichtsbehandlung, bei der die Haut intensiv gereinigt wird. Aber ein Leben ohne Schönheitsoperationen, beziehungsweise künstlichen Veränderungen kann ich mir bisher nicht vorstellen.